Die geöffneten Bücher vor dem großen weißen Thron Gericht
1. Einleitung
In der entscheidenden Szene des Endgerichts berichtet Johannes, dass „Bücher geöffnet“ wurden vor dem großen weißen Thron (Offenbarung 20,11–15). Diese kurze, aber feierliche Aussage wirft entscheidende Fragen auf: Was sind diese Bücher? Was steht in ihnen geschrieben? Und wie bestimmen sie das ewige Gericht über die Verlorenen?
Dieser Artikel konzentriert sich ausschließlich auf die Bücher, die beim Gericht vor dem großen weißen Thron geöffnet werden – ihre Identität, ihren Inhalt und ihre Funktion in Gottes endgültigem Gericht. Ein Verständnis dieser Bücher macht sowohl die Gewissheit als auch die Gerechtigkeit von Gottes Gericht deutlich.
„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das Buch des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.“ — Offenbarung 20,12
2. Der Rahmen: Bücher im Endgericht
Der zentrale Text für diese Lehre ist Offenbarung 20,11–15. In diesem Abschnitt lesen wir:
- Der Richter sitzt auf einem „großen weißen Thron“ (V. 11).
- „Die Toten, die Großen und die Kleinen“ (alle Unerlösten aller Zeiten) stehen vor ihm (V. 12).
- „Bücher wurden geöffnet“, und dann wird „ein anderes Buch … das Buch des Lebens“ geöffnet (V. 12).
- Die Toten werden „gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken“ (V. 12–13).
- Jeder, der nicht im Buch des Lebens geschrieben gefunden wurde, wird in den Feuersee geworfen (V. 15).
Aus diesem Abschnitt und verwandten Schriftstellen lassen sich drei Hauptkategorien erkennen:
| Buch / Bücher | Hauptinhalt | Zentrale Funktion im Gericht |
|---|---|---|
| Bücher der Taten/Werke | Jeder Gedanke, jedes Wort und jede Handlung jedes Ungläubigen | Beweisen die Schuld, bestimmen das Maß der Strafe |
| Buch des Lebens | Namen aller, die durch Christus zu Gott gehören | Bestätigt das Fehlen des Namens des Angeklagten; Grundlage der ewigen Bestimmung |
| Wort Gottes (als Maßstab) | Gottes geoffenbartes Gesetz und Evangelium (Schrift) | Liefert den Maßstab, an dem die Werke gemessen werden |
Das Gericht vor dem großen weißen Thron ist somit ein dokumentiertes, beweisgestütztes Gericht. Gott richtet nicht willkürlich; er richtet auf der Grundlage des schriftlich festgehaltenen Befundes.
3. Die Bücher der Taten: Protokoll jedes Lebens
3.1 Identität und biblische Grundlage
In Offenbarung 20,12–13 schreibt Johannes:
„Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. … Und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.“
Diese „Bücher“ (Plural) sind am besten zu verstehen als Gottes vollständiges Register über das Leben jedes unerlösten Menschen. Andere Schriftstellen stützen dieses Konzept:
- Prediger 12,14: „Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen.“
- Römer 2,16: Gott „wird das Verborgene der Menschen richten durch Christus Jesus“.
- Lukas 8,17: „Denn nichts ist verborgen, was nicht offenbar werden wird.“
Aus diesen Texten ergibt sich, dass die Bücher der Taten folgendes enthalten:
- Handlungen – äußeres Verhalten und Tun (Matthäus 16,27).
- Worte – jedes gesprochene Wort, einschließlich „unnützer Worte“ (Matthäus 12,36–37).
- Gedanken und Motive – innere Haltungen und Beweggründe (Römer 2,16).
3.2 Zweck: Grundlage und Maß des Gerichts
Diese Bücher werden nicht geöffnet, um zu entscheiden, ob jemand gerettet ist – diese Frage wird allein durch das Buch des Lebens entschieden (siehe unten). Die Bücher der Taten erfüllen zwei eng miteinander verbundene Zwecke:
-
Rechtfertigung des Verdammungsurteils
Der aufgezeichnete Befund wird zeigen, dass jeder Mensch, der dort steht, tatsächlich „der Herrlichkeit Gottes ermangelt“ (Römer 3,23). Gottes Urteil erweist sich als vollkommen gerecht, gegründet auf ein genaues, unverfälschtes Protokoll. -
Bestimmung des Maßes der Strafe in der Hölle
Die Schrift macht deutlich, dass es unterschiedliche Grade der Strafe gibt:- Jesus spricht von einem „erträglicheren“ Gericht für manche als für andere (Matthäus 11,20–24).
- Er unterscheidet zwischen „vielen Schlägen“ und „wenigen Schlägen“ (Lukas 12,47–48).
- Offenbarung 20,12–13 betont zweimal, dass das Gericht „nach ihren Werken“ erfolgt.
Am großen weißen Thron werden die Bücher der Werke also nicht geöffnet, um zu entscheiden, wer in die Hölle kommt, sondern um zu bestimmen, wie die Hölle von jedem Einzelnen erfahren wird. Wer schwerer gesündigt oder größeres Licht und größere Vorrechte verworfen hat, wird eine entsprechend größere Strafe erleiden.
3.3 Die moralische Logik der Bücher der Taten
Die Bücher der Taten machen mehrere Wahrheiten deutlich:
- Keine Sünde wird vergessen – Jede Tat, jedes Wort und jeder Beweggrund bleibt vor Gott bewahrt (Daniel 7,10).
- Kein Sünder wird falsch beurteilt – Das Urteil gründet sich auf dokumentierte Beweise, nicht auf willkürliche göttliche Launen.
- Keine Ausrede bleibt bestehen – Weil das Protokoll genau und vollständig ist, kann niemand überzeugend behaupten: „Mit mir wird ungerecht verfahren.“
Kurz gesagt, die Bücher der Taten zeigen was jeder Mensch tatsächlich getan hat als Antwort auf Gottes Offenbarung und Gesetz und warum Gottes Urteil gerecht ist.
4. Das Buch des Lebens: Register der Erlösten
4.1 Definition und Entwicklung in der Schrift
Im Gegensatz zu den mehrfach erwähnten „Büchern“ der Taten erwähnt Offenbarung 20,12 „ein anderes Buch … welches das Buch des Lebens ist.“ Dieses eine Buch ist Gottes himmlisches Register derer, die zu ihm gehören.
Biblische Belege umfassen:
- 2. Mose 32,32–33 – Ein „Buch“, aus dem Namen ausgelöscht werden können.
- Psalm 69,29 (69,28): „Sie sollen ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens.“
- Philipper 4,3 – Mitarbeiter „deren Namen im Buch des Lebens stehen“.
- Offenbarung 3,5; 13,8; 17,8; 20,12.15; 21,27 – Wiederholte Hinweise auf das Buch des Lebens, besonders auf „das Buch des Lebens des Lammes“ (Offenbarung 21,27).
Vor allem in der Offenbarung ist das Buch des Lebens eng mit dem Lamm (Christus) und seinem Sühnopfer verbunden. Es enthält die Namen aller, die durch ihn gerettet sind.
4.2 Funktion beim Gericht vor dem großen weißen Thron
Beim Gericht vor dem großen weißen Thron hat das Buch des Lebens eine entscheidende, aber eng umrissene Funktion:
„Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ — Offenbarung 20,15
Zentrale Konsequenzen:
- Die entscheidende Frage der ewigen Bestimmung lautet nicht: „Wie viele gute Werke hast du getan?“, sondern „Steht dein Name im Buch des Lebens?“
- Jeder, der bei diesem Gericht steht, befindet sich dort weil er unerlöst ist; dennoch wird das Buch des Lebens geöffnet, um öffentlich zu bestätigen, dass sein Name fehlt.
- Der Feuersee (der zweite Tod) ist die unausweichliche Folge für alle, deren Namen nicht in diesem Buch stehen – unabhängig davon, wie moralisch oder religiös sie in diesem Leben erschienen.
Das Buch des Lebens beantwortet daher wer verurteilt wird; die Bücher der Taten beantworten wie gerecht und in welchem Maß er verurteilt wird.
4.3 Buch des Lebens versus Bücher der Taten
Dieses Verhältnis lässt sich so zusammenfassen:
| Frage | Beantwortet durch | Ergebnis |
|---|---|---|
| Ist diese Person gerettet oder verloren? | Buch des Lebens | Wenn nicht gefunden, wird die Person in den Feuersee geworfen |
| Wie schwer ist die Schuld dieser Person, und welches Strafmaß ist gerecht? | Bücher der Taten | Bestimmen die Schwere der ewigen Strafe |
In der Errettung ist Gnade (durch Christus) alles; im Endgericht bestimmen Werke das Maß (nicht die Tatsache) der Verdammnis.
5. Das Wort Gottes als Maßstab des Gerichts
Obwohl Offenbarung 20 die Schrift nicht ausdrücklich als ein beim großen weißen Thron verwendetes „Buch“ bezeichnet, zeigen andere Stellen, dass Gottes geoffenbartes Wort der Maßstab ist, an dem die Bücher der Taten beurteilt werden.
Jesus sagte:
„Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet; das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“ — Johannes 12,48
Dies bedeutet:
- Gott richtet nicht nach einem geheimen oder willkürlichen Kodex.
- Dasselbe Wort, das in dieser Zeit Errettung anbietet, wird in der kommenden Zeit zum Maßstab des Gerichts.
- Die Zehn Gebote, das sittliche Gesetz und der Ruf des Evangeliums bilden offen bekannte, zugängliche Normen, an denen die aufgezeichneten Taten gemessen werden.
In diesem Sinn funktioniert die Bibel selbst als ein „Buch“ des Gerichts: Sie definiert Sünde, offenbart Gottes Heiligkeit und verkündigt den einzigen Weg der Errettung. Am großen weißen Thron kann niemand glaubhaft Unkenntnis über Gottes moralische Forderungen vorschützen (Römer 1,18–20; 2,12–16).
6. Wie die Bücher das Gericht bestimmen
Fassen wir diese Linien zusammen, lässt sich die Logik des Gerichts vor dem großen weißen Thron im Blick auf die geöffneten Bücher so darstellen:
- Der Richter (Christus) ruft die toten Gottlosen hervor (Offenbarung 20,12–13; Johannes 5,28–29).
- Die Bücher der Taten werden geöffnet
- Sie zeigen ein vollständiges Protokoll jedes Lebens – Handlungen, Worte, Motive.
- Sie belegen die Wirklichkeit und das Ausmaß persönlicher Schuld.
- Das Wort Gottes dient als Maßstab
- Es definiert, was gerecht und was Sünde ist.
- Jede Tat wird an diesem vollkommenen Maßstab gemessen.
- Das Buch des Lebens wird herangezogen
- Es macht deutlich, dass niemand, der an diesem Gericht teilnimmt, dort mit seinem Namen verzeichnet ist.
- Damit wird bestätigt, dass jeder Einzelne in seinen Sünden geblieben ist, ohne je Christus angenommen zu haben.
- Das Urteil wird verkündet und die Strafe vollstreckt
- Weil ihre Namen im Buch des Lebens fehlen, werden sie in den Feuersee geworfen (Offenbarung 20,15).
- Weil ihre Taten gewogen wurden, erfahren sie eine Strafe im Verhältnis zu ihrer Schuld (Offenbarung 20,12–13; Matthäus 11,22–24; Lukas 12,47–48).
So stellen die beim Gericht vor dem großen weißen Thron geöffneten Bücher sicher, dass:
- Die ewige Bestimmung durch die Beziehung zu Christus entschieden wird (Anwesenheit oder Abwesenheit im Buch des Lebens).
- Das Maß der Strafe durch die aufgezeichneten Taten bestimmt wird (Bücher der Werke).
- Der Maßstab Gottes geoffenbartes Wort ist (kein willkürliches oder unbekanntes Gesetz).
Gottes Gericht erweist sich damit als transparent, dokumentiert und vollkommen gerecht.
7. Schlussfolgerung
Das Bild der geöffneten Bücher beim Gericht vor dem großen weißen Thron beschreibt mehr als nur eine dramatische Gerichtsszene; es offenbart die moralische Struktur des Universums Gottes.
- Das Buch des Lebens zeigt, dass Errettung ganz und gar Gnade durch Jesus Christus ist. Diejenigen, deren Namen dort eingeschrieben sind, erscheinen niemals vor diesem furchtbaren Gericht.
- Die Bücher der Taten zeigen, dass keine Sünde vergessen und kein Sünder falsch beurteilt wird. Sie stellen sicher, dass die Strafe der Hölle verhältnismäßig ist und nicht willkürlich.
- Das Wort Gottes als Maßstab des Gerichts zeigt, dass Gottes Anforderungen eindeutig offenbart wurden; der Mensch ist ohne Entschuldigung.
Für den Gläubigen vergrößern diese Wahrheiten die Gnade Gottes in Christus, der unser Gericht getragen und unseren Platz im Buch des Lebens des Lammes gesichert hat. Für den Ungläubigen sind sie eine ernste Warnung: Es gibt ein vollkommenes Protokoll, einen heiligen Maßstab und einen unausweichlichen Tag, an dem die Bücher geöffnet werden.
Jetzt ist die einzige Zeit, in der dieses Protokoll ausgelöscht werden kann – durch Buße und Glauben an den Herrn Jesus Christus, dessen Blut allein die gegen uns gerichtete Schuldschrift tilgen und unseren Namen für immer in seinem Buch des Lebens sichern kann.
FAQ
F: Was sind die „Bücher“, die beim Gericht vor dem großen weißen Thron geöffnet werden?
Die „Bücher“ in Offenbarung 20,12 sind Gottes vollständige Aufzeichnungen über das Leben jedes Ungläubigen – jede Handlung, jedes Wort, jeder Gedanke und jeder Beweggrund. Diese Bücher werden geöffnet, um die Schuld jedes Einzelnen zu belegen und das Maß der Strafe im Feuersee zu bestimmen. Sie entscheiden nicht, ob jemand gerettet ist, sondern wie gerecht und wie streng er gerichtet wird.
F: Was ist das Buch des Lebens, und wie beeinflusst es das Endgericht?
Das Buch des Lebens ist Gottes Register aller, die durch den Glauben an Jesus Christus zu ihm gehören (Philipper 4,3; Offenbarung 21,27). Beim Gericht vor dem großen weißen Thron wird jeder, der nicht im Buch des Lebens geschrieben gefunden wird, in den Feuersee geworfen (Offenbarung 20,15). Die Eintragung in diesem Buch entscheidet über ewiges Leben; das Fehlen darin führt zu ewiger Trennung von Gott.
F: Wie bestimmen die Bücher beim Gericht vor dem großen weißen Thron die Grade der Strafe?
Weil die Toten „nach ihren Werken“ gerichtet werden (Offenbarung 20,12–13), liefern die Bücher der Taten die sachliche Grundlage für abgestufte Strafe. Stellen wie Matthäus 11,22–24 und Lukas 12,47–48 zeigen, dass manche ein „erträglicheres“ Gericht oder „viele“ im Unterschied zu „wenigen Schlägen“ empfangen werden. So stellen die Bücher sicher, dass die Hölle vollkommen gerecht ist und die Strafe im Verhältnis zur Sünde und zur Verwerfung des empfangenen Lichts steht.
F: Werden Gläubige jemals nach diesen Büchern gerichtet?
Gläubige werden niemals vor dem Gericht vor dem großen weißen Thron stehen. Ihre Sünden wurden am Kreuz gerichtet, und ihre Namen stehen im Buch des Lebens des Lammes. Christen werden stattdessen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen (2. Korinther 5,10), wo ihre Werke zur Vergabe von Lohn, nicht zur Verdammnis, beurteilt werden.
F: Gehört die Bibel selbst zu den Büchern, die im Gericht verwendet werden?
Obwohl Offenbarung 20 die Schrift nicht ausdrücklich als eines der „Bücher“ nennt, lehrt Jesus, dass sein Wort die Menschen „am letzten Tag“ richten wird (Johannes 12,48). Das bedeutet, dass das Wort Gottes als Maßstab des Gerichts fungiert: Die Bücher der Taten halten fest, was die Menschen getan haben; die Schrift definiert, ob diese Taten gerecht oder sündig waren.
Häufig gestellte Fragen
F: Was sind die „Bücher“, die beim Gericht vor dem großen weißen Thron geöffnet werden?
F: Was ist das Buch des Lebens, und wie beeinflusst es das Endgericht?
F: Wie bestimmen die Bücher beim Gericht vor dem großen weißen Thron die Grade der Strafe?
F: Werden Gläubige jemals nach diesen Büchern gerichtet?
F: Gehört die Bibel selbst zu den Büchern, die im Gericht verwendet werden?
L. A. C.
Theologe spezialisiert auf Eschatologie, engagiert darin, Gläubigen zu helfen, Gottes prophetisches Wort zu verstehen.
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