Für die Ewigkeit bauen: Gold, Silber und kostbare Steine
1. Einleitung
„Für die Ewigkeit zu bauen“ ist eines der zentralen Bilder, die Paulus verwendet, um das christliche Leben zu beschreiben. In 1. Korinther 3,10–15 stellt er Gold, Silber und kostbare Steine Holz, Heu und Stroh gegenüber und zeigt damit, dass nicht jedes christliche Werk vor Gott den gleichen Wert hat. Diese Passage ist grundlegend für das Verständnis des Richterstuhls Christi, der Lehre von den ewigen Belohnungen und der Unterscheidung zwischen dem, was ewig bleibt, und dem, was im Gericht verbrannt wird.
Dieser Artikel erklärt 1. Korinther 3,10–15 und zeigt, was es ganz praktisch bedeutet, dein Leben und deinen Dienst mit Materialien zu bauen, die für die Ewigkeit Bestand haben.
„Wenn aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden; denn der Tag wird es klar machen, weil er sich in Feuer offenbart; und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer erproben.“
— 1. Korinther 3,12–13
2. Der Kontext von 1. Korinther 3,10–15
In 1. Korinther 3 spricht Paulus die Spaltungen in der Gemeinde von Korinth an und erklärt den christlichen Dienst mit dem Bild eines Bauwerks.
2.1 Das Fundament: Jesus Christus
Paulus beginnt mit einer nicht verhandelbaren Wahrheit:
„Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
— 1. Korinther 3,11
Das Fundament ist Christus selbst – seine Person und sein Heilshandeln. Das bedeutet:
- Die Errettung ist für den Gläubigen bereits entschieden.
- In diesem Abschnitt geht es nicht darum, ob jemand gerettet ist, sondern wie er nach der Errettung baut.
- Jeder echte christliche Dienst muss allein auf Christus beruhen, nicht auf menschlicher Weisheit, Moralismus oder religiöser Tradition.
2.2 Die Bauleute: Alle Gläubigen
Paulus wendet das Bild zunächst auf sich selbst und andere Leiter an (1. Kor 3,10), aber das Prinzip weitet sich klar auf jeden Gläubigen aus:
„Wenn aber jemand auf diesen Grund baut …“ (V. 12)
„Das Werk eines jeden wird offenbar werden …“ (V. 13)
Jeder Christ, nicht nur Pastoren, ist ein Bauherr. Durch Entscheidungen, Prioritäten, Worte, Beziehungen, Dienste und den Umgang mit Ressourcen ist jeder Gläubige dabei, ein Lebensgebäude auf dem Fundament Christus zu errichten.
3. Die zwei Kategorien von Baumaterialien
Paulus nennt zwei Dreiergruppen von Materialien:
- Gold, Silber, kostbare Steine
- Holz, Heu, Stroh
Diese stehen für zwei grundsätzlich unterschiedliche Qualitäten von Werken, nicht für verschiedene Mengen von Werken.
3.1 Vergleich der Materialien
| Merkmal | Gold, Silber, kostbare Steine | Holz, Heu, Stroh |
|---|---|---|
| Beständigkeit im Feuer | Unzerstörbar, geläutert, durch Feuer veredelt | Brennbar, wird vom Feuer verzehrt |
| Wert | Wesensmäßig wertvoll, kostbar | Alltäglich, billig, leicht verfügbar |
| Symbolik für | Geistgewirkten, Christus-zentrierten Dienst | Fleischlichen, ichbezogenen, oberflächlichen Dienst |
| Beweggründe | Gottes Ehre, Liebe, Gehorsam, Glaube | Selbstdarstellung, Routine, falsche Motive |
| Ewige Folge | Belohnungsfähig, bleibt in Ewigkeit | Nicht belohnungsfähig, geht für immer verloren |
Paulus geht es in erster Linie um die Qualität, nicht um die Sichtbarkeit. Ein sehr öffentlicher Dienst kann Holz und Stroh sein; ein verborgenes Werk treuer Hingabe kann Gold sein.
3.2 Gold, Silber und kostbare Steine: Werke von ewiger Qualität
Auch wenn Paulus jedes Material nicht einzeln definiert, legt der weitere biblische Kontext nahe:
- Gold steht häufig für die Herrlichkeit Gottes und für das, was allein für ihn getan wird (vgl. 2. Mose 25; 1. Kor 10,31).
- Silber ist mit Erlösung verbunden und weist auf Evangelisation und evangeliums-zentrierten Dienst hin (vgl. 3. Mose 27).
- Kostbare Steine deuten auf die reiche Vielfalt geistgewirkter Gerechtigkeit, „die gerechten Taten der Heiligen“ (Offb 19,8), hin.
Im Kern stehen Gold, Silber und kostbare Steine für:
- Werke, die aus Glauben und Abhängigkeit vom Heiligen Geist hervorgehen.
- Handlungen, die auf gesunder Lehre und Gehorsam gegenüber der Schrift beruhen.
- Dienst, der auf Christi Ehre ausgerichtet ist, nicht auf menschlichen Applaus.
- Dienst, der mit dem Evangelium und der Auferbauung der Gemeinde übereinstimmt.
3.3 Holz, Heu und Stroh: Vergängliche, wertlose Werke
Diese billigen, zerbrechlichen Materialien veranschaulichen christliche Aktivität, die beeindruckend erscheinen mag, aber keinen ewigen Wert hat:
- Getan in eigener Anstrengung, nicht in Abhängigkeit vom Geist.
- Getrieben von Stolz, Tradition oder äußerem Druck, nicht von Liebe zu Christus.
- Ausgerichtet auf Zahlen, Image oder Bequemlichkeit, statt auf Wahrheit und Heiligkeit.
- Moralisch neutral oder sogar „gut“ in menschlichen Augen, aber fehlgeleitet oder falsch motiviert.
Es geht dabei nicht unbedingt um grobe, offensichtliche Sünden; oft sind es „schlechte gute Werke“ – äußerlich korrekt, innerlich korrumpiert (vgl. 1. Kor 4,5; Hebr 4,13).
4. Die Feuerprobe: Der Richterstuhl Christi
Paulus schreibt:
„Das Werk eines jeden wird offenbar werden; denn der Tag wird es klar machen, weil er sich in Feuer offenbart; und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer erproben.“
— 1. Korinther 3,13
4.1 „Der Tag“ und der Richterstuhl Christi
„Der Tag“ bezeichnet den zukünftigen Zeitpunkt, an dem Gläubige vor Christus an seinem Richterstuhl (griechisch bēma) stehen, wie beschrieben in:
- 2. Korinther 5,10 — „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi …“
- Römer 14,10–12 — „… so wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben.“
Aus eschatologischer Sicht findet dieses Gericht nach der Entrückung, im Himmel, statt und gilt ausschließlich den Gläubigen. Es ist ein Gericht der Werke zur Belohnung, nicht ein Gericht der Sünde zur Verdammnis (vgl. Joh 5,24; Röm 8,1).
4.2 Die Natur des Feuers
Das „Feuer“ in 1. Korinther 3 ist ein eindrückliches Bild für die heilige und durchdringende Beurteilung durch Christus:
- Es ist kein Fegefeuer, in dem Sünden abgebüßt würden; Christus hat die Strafe für alle Sünde bereits getragen.
- Es ist ein prüfendes Feuer, das offenlegt und aufdeckt, „wie das Werk eines jeden beschaffen ist“ (V. 13).
- Es verbrennt alles, was wertlos ist, und lässt nur das bestehen, was mit Gottes Wesen und Absichten übereinstimmt.
Mit anderen Worten: Das Feuer symbolisiert die vollkommene Prüfung durch Christus, der nicht nur weiß, was wir getan haben, sondern auch warum wir es getan haben (1. Kor 4,5; Offb 2,23).
5. Lohn und Verlust: Gerettet, doch so wie durchs Feuer
Paulus beschreibt zwei deutlich unterschiedliche Ergebnisse:
„Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.“
— 1. Korinther 3,14
„Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.“
— 1. Korinther 3,15
5.1 Lohn empfangen
Wenn Gold, Silber und kostbare Steine die Feuerprobe überstehen:
- Wird der Gläubige „Lohn empfangen“.
- An anderer Stelle werden Belohnungen als Kronen, Erbe und Verantwortung im Reich Christi beschrieben (vgl. 1. Kor 9,25; 2. Tim 4,8; Lk 19,11–27; Kol 3,23–24).
Diese Belohnungen sind:
- Gnadenhaft und doch verdiensteindruckend: Sie würdigen, was Christus durch uns gewirkt hat, während wir im Geist wandelten.
- Ewig: Sie betreffen unsere Fähigkeit zu Dienst, Freude und Herrlichkeit im messianischen Reich (Millennium) und in der ewigen Herrlichkeit.
5.2 Schaden leiden und doch gerettet
Wenn das Werk eines Gläubigen überwiegend aus Holz, Heu und Stroh besteht:
- „so wird er Schaden leiden“ – Verlust dessen, was hätte sein können:
- Verlorene Belohnungen, verlorene Gelegenheiten, verminderte Fähigkeit, Gott im kommenden Zeitalter zu verherrlichen.
- „Er selbst aber wird gerettet werden“ – die Errettung steht nicht zur Disposition.
- „Doch so wie durchs Feuer“ – wie jemand, der aus einem brennenden Haus flieht und nichts als sein Leben rettet.
Dieser Vers trennt eindeutig Rechtfertigung (unsere Stellung in Christus) von Lohn (Gottes Bewertung unseres Dienstes). Ein Gläubiger kann in den Himmel eingehen mit ohne bleibende Frucht; er wird durch Gnade dort sein, aber mit wenig, das er Christus darbringen kann.
6. Was es bedeutet, heute für die Ewigkeit zu bauen
Mit Gold, Silber und kostbaren Steinen zu bauen heißt, so zu leben, dass deine Werke auf die Ewigkeit ausgerichtet sind. 1. Korinther 3,10–15 hat mehrere praktische Konsequenzen.
6.1 Sorgfältig bauen, nicht leichtfertig
Paulus mahnt:
„Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.“
— 1. Korinther 3,10 (Hervorhebung hinzugefügt)
Sorgfältiges Bauen bedeutet:
- Lehrmäßige Sorgfalt: sicherzustellen, dass unsere Lehre und unser Glauben der Schrift entsprechen und nicht kulturellen Trends oder menschlicher Weisheit.
- Ethische Integrität: Methoden im Dienst abzulehnen, die der Heiligkeit widersprechen, nur um „Erfolg“ zu haben.
- Zielgerichtete Jüngerschaft: den Schwerpunkt auf geistliche Reife zu legen, nicht nur auf Aktivität oder Besucherzahlen.
6.2 Motive priorisieren, nicht bloße Aktivität
Christus wird die „Absichten der Herzen offenbar machen“ (1. Kor 4,5). Zwei Gläubige können dieselbe sichtbare Handlung tun, und doch baut der eine mit Gold, der andere mit Stroh – abhängig davon,
- ob die Handlung aus Liebe zu Christus geschieht oder aus dem Wunsch nach Anerkennung.
- ob sie in Abhängigkeit vom Geist geschieht oder in Selbstvertrauen.
- ob sie auf Gottes Ehre und das Wohl anderer zielt oder auf die eigene Selbstentfaltung.
Für die Ewigkeit zu bauen erfordert eine ständige Herzensprüfung im Licht des Evangeliums.
6.3 In das investieren, was nicht verbrennen kann
Einige Bereiche des christlichen Dienstes haben von sich aus ewigen Charakter:
- Gottes Wort – „das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“ (1. Petr 1,25).
- Die Seelen von Menschen – Evangelisation, Jüngerschaft und seelsorgerliche Begleitung.
- Christusähnlicher Charakter – die Frucht des Geistes (Gal 5,22–23).
- Gebet, Anbetung und Gehorsam – Gott wohlgefällige Opfer (Hebr 13,15–16).
Wenn deine Zeit, Kraft und Ressourcen auf diese Bereiche ausgerichtet sind, baust du mit Materialien, die nicht verzehrt werden können.
6.4 Dienen im Licht des Richterstuhls Christi
Paulus verknüpft seinen gesamten Dienst mit dieser zukünftigen Beurteilung:
„Darum setzen wir auch unsere Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, ihm wohlzugefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi …“
— 2. Korinther 5,9–10
Die Gewissheit des Richterstuhls Christi soll:
- Uns zu heiliger Ehrgeiz motivieren: „… ihm wohlzugefallen.“
- Uns nüchtern machen: Es wird echten Verlust geben für vertane Gelegenheiten und fehlgeleiteten Dienst.
- Uns trösten: Nichts, was in Glauben und Liebe für Christus getan wird, ist je vergessen.
Coram Deo zu leben – vor dem Angesicht Gottes – heißt, Erfolg nicht nach aktuellem Applaus, sondern nach dem kommenden Feuer zu bemessen.
7. Schlussfolgerung
1. Korinther 3,10–15 ruft jeden Gläubigen dazu auf, ernst zu nehmen, wie wir auf dem Fundament Jesus Christus bauen. Der Gegensatz zwischen Gold, Silber und kostbaren Steinen und Holz, Heu und Stroh ist keine poetische Ausschmückung; er ist eine göttliche Warnung und Einladung.
- Das Fundament (Christus) ist für alle, die glauben, unverrückbar sicher.
- Der Aufbau (unsere Werke) wird durch das heilige Feuer Christi geprüft werden.
- Manche Werke werden bestehen und reich belohnt werden; andere werden im Augenblick vergehen.
Für die Ewigkeit zu bauen bedeutet, im Geist zu arbeiten, im Einklang mit Gottes Wort, zu Gottes Ehre, mit reinen Motiven und mit dem Fokus auf das, was noch zählen wird, wenn alles Zeitliche verbrannt ist. Wenn dein Lebenswerk eines Tages durch das Feuer am Richterstuhl Christi geht, wird nicht die Frage sein, wie viel du gebaut hast, sondern welcher Art dein Werk war – und für wen du gebaut hast.
FAQ
F: Was bedeutet es, in 1. Korinther 3 mit „Gold, Silber und kostbaren Steinen“ zu bauen?
Es bedeutet, so zu leben und zu dienen, dass dein Handeln geistgewirkt, Christus-zentriert und schriftgemäß ist. Es sind Werke, die in Glauben, Liebe und Gehorsam zu Gottes Ehre getan werden, die der prüfenden Feuerprobe Christi standhalten und ewig belohnt werden.
F: Sind „Holz, Heu und Stroh“ sündige Werke oder nur vergeudete Mühe?
Sie stehen in erster Linie für wertlose oder fehlgeleitete Werke – Handlungen in eigener Kraft, aus falschen Motiven oder nach menschlicher statt göttlicher Weisheit. Sie können äußerlich gut aussehen, haben aber keinen ewigen Wert und werden am Richterstuhl Christi verbrannt werden.
F: Lehrt 1. Korinther 3,10–15, dass ein Gläubiger seine Errettung verlieren kann?
Nein. Paulus sagt ausdrücklich: „er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer“ (1. Kor 3,15). Die Errettung beruht auf dem Fundament, das Jesus Christus ist. Verloren gehen kann Lohn, nicht das ewige Leben.
F: Wie kann ich erkennen, ob ich für die Ewigkeit baue oder nur mit „Holz, Heu und Stroh“?
Frage dich: Handle ich im Einklang mit Gottes Wort? Verlasse ich mich auf den Heiligen Geist oder auf meine eigene Stärke? Sind meine Motive auf Christi Ehre ausgerichtet oder auf mich selbst? Ist mein Dienst auf das fokussiert, was Gott ewig wichtig ist – seine Wahrheit, sein Volk, sein Evangelium, seine Heiligkeit?
F: Warum ist es wichtig, mit Gold, Silber und kostbaren Steinen zu bauen, wenn ich ohnehin in den Himmel komme?
Weil die Schrift lehrt, dass dein heutiger Gehorsam deine ewige Belohnung, Verantwortung und Fähigkeit zu Herrlichkeit und Dienst im Reich Christi mitbestimmt (2. Kor 5,10; Kol 3,23–24). Wenn du in Christus bist, kannst du den Himmel nicht verlieren, aber du kannst dort ankommen mit wenig Frucht in einem Leben, das viel mehr für die Ewigkeit hätte bewirken können.
Häufig gestellte Fragen
F: Was bedeutet es, in 1. Korinther 3 mit „Gold, Silber und kostbaren Steinen“ zu bauen?
F: Sind „Holz, Heu und Stroh“ sündige Werke oder nur vergeudete Mühe?
F: Lehrt 1. Korinther 3,10–15, dass ein Gläubiger seine Errettung verlieren kann?
F: Wie kann ich erkennen, ob ich für die Ewigkeit baue oder nur mit „Holz, Heu und Stroh“?
F: Warum ist es wichtig, mit Gold, Silber und kostbaren Steinen zu bauen, wenn ich ohnehin in den Himmel komme?
L. A. C.
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