Die Natur des Auferstehungsleibes des Gläubigen
1. Einleitung
Die christliche Hoffnung auf die Auferstehung bedeutet nicht nur ein Weiterleben der Seele, sondern die Verwandlung des ganzen Menschen, einschließlich des Leibes. Die Schrift lehrt, dass Gläubige einen verherrlichten Auferstehungsleib empfangen werden – wirklich, körperlich und ewig – nach dem Vorbild des auferstandenen Leibes Christi. Das Verständnis der Natur des Auferstehungsleibes des Gläubigen ist grundlegend für die biblische Eschatologie und die christliche Hoffnung.
Dieser Artikel untersucht die wichtigsten neutestamentlichen Texte – insbesondere 1. Korinther 15 –, um zu beschreiben, was die Schrift über die Eigenschaften und die Natur des Auferstehungsleibes der Gläubigen offenbart.
2. Biblische Grundlage für den Auferstehungsleib des Gläubigen
Das Neue Testament bezeugt wiederholt, dass Gläubige in der Zukunft einen verwandelten Leib empfangen werden.
"Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen."
— 1. Korinther 15,20
Die Auferstehung Christi ist das Vorbild und die Garantie der zukünftigen leiblichen Auferstehung des Gläubigen. Paulus sagt ausdrücklich:
"[Er] wird unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten, dass er gleichförmig werde seinem Leib der Herrlichkeit."
— Philipper 3,21
Und Johannes fügt hinzu:
"Wir wissen aber: Wenn er offenbar werden wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist."
— 1. Johannes 3,2
Der zentrale Text, der die Natur des Auferstehungsleibes beschreibt, ist 1. Korinther 15,35–54, wo Paulus zwei Schlüsselfragen beantwortet:
- Wie werden die Toten auferweckt?
- Und mit was für einem Leib kommen sie? (1. Kor 15,35)
Aus diesen und verwandten Texten lassen sich sieben zentrale Kennzeichen des Auferstehungsleibes des Gläubigen zusammenfassen.
3. Kontinuität und persönliche Identität
3.1 Dieselbe Person, verwandelter Leib
Auferstehung bedeutet nicht Ersatz, sondern Verwandlung. Paulus spricht von der "Erlösung unseres Leibes" (Römer 8,23), nicht von der Schaffung völlig anderer Leiber. Das Samen-Gleichnis in 1. Korinther 15,36–38 ist entscheidend: Was gesät wird und was hervorkommt, sind organisch miteinander verbunden – dieselbe Identität, aber herrlich verwandelt.
"Und was du säst, ist nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn … Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will."
— 1. Korinther 15,37–38
Das leere Grab Jesu und die Gegenwart seiner Kreuzigungsnarben (Johannes 20,27; Lukas 24,39–40) zeigen, dass sein Auferstehungsleib in Kontinuität zu seinem Leib vor dem Tod stand, obwohl er verherrlicht war. Da Christus der "Erstling" ist (1. Kor 15,20.23), dürfen Gläubige das gleiche Muster erwarten.
3.2 Erkennbare Identität und Gedächtnis
Der auferstandene Christus war erkennbar:
- Maria Magdalena erkannte ihn, als er sie beim Namen rief (Johannes 20,16).
- Die Jünger erkannten ihn an seinen Wunden (Johannes 20,27–28).
- Die Emmaus-Jünger erkannten ihn in Gemeinschaft und Lehre (Lukas 24,30–31).
Diese Berichte legen mit Nachdruck nahe, dass Persönlichkeit, Gedächtnis und bewusstes Selbstsein in der Auferstehung fortbestehen. Gläubige werden sie selbst sein, vollständig wiederhergestellt, nicht anonyme Geister.
4. Ein realer, physischer, aber verherrlichter Leib
4.1 Wirklich körperlich, nicht ein Geist
Der Auferstehungsleib des Gläubigen wird physisch und materiell sein, nicht nur symbolisch oder "geistlich" im Sinn von "unkörperlich". Paulus spricht ausdrücklich von einem "geistlichen Leib" (1. Kor 15,44), aber "Leib" (griechisch sōma) bezeichnet in seinen Schriften, wenn es von Menschen gebraucht wird, durchgängig einen wirklichen, greifbaren Körper.
Die Erscheinungen Jesu nach der Auferstehung definieren, wie ein verherrlichter Leib ist:
"Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin; betastet mich und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe."
— Lukas 24,39
Wesentliche Belege für die Körperlichkeit:
- Sein Grab war leer – derselbe Leib, der begraben wurde, ist auferweckt worden (Matthäus 28; Lukas 24; Johannes 20).
- Er lud zum Berühren ein (Matthäus 28,9; Johannes 20,27).
- Er aß Speise mit den Jüngern (Lukas 24,41–43; Johannes 21,12–13).
Da unsere Leiber "gleichförmig seinem Leib der Herrlichkeit" werden (Phil 3,21), werden Gläubige wirklich physische Auferstehungsleiber besitzen, die für die neue Schöpfung geeignet sind.
4.2 „Fleisch und Blut“ vs. „geistlicher Leib“
Paulus schreibt:
"Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; auch erbt das Vergängliche nicht die Unvergänglichkeit."
— 1. Korinther 15,50
"Fleisch und Blut" ist hier eine jüdische Redewendung für sterbliche, vergängliche Menschheit, nicht eine Leugnung körperlicher Existenz. Sterbliche, dem Verfall unterliegende Leiber, so wie sie jetzt sind, können das ewige Reich nicht erben. Daher fährt Paulus fort:
"Denn dies Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen, und dies Sterbliche Unsterblichkeit anziehen."
— 1. Korinther 15,53
Ein "geistlicher Leib" (1. Kor 15,44) ist kein un-physischer Leib, sondern ein Leib, der vollkommen vom Heiligen Geist bestimmt, befähigt und erhalten wird – im Gegensatz zu unseren jetzigen "natürlichen" (seelischen, adamischen) Leibern, die der Sünde und dem Verfall unterworfen sind.
5. Vier Grundeigenschaften nach 1. Korinther 15
In 1. Korinther 15,42–44 nennt Paulus vier grundlegende Gegensätze, die die Natur des verherrlichten Leibes bestimmen:
"So ist auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät in Verweslichkeit, es wird auferweckt in Unverweslichkeit.
Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit.
Es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft.
Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib."
— 1. Korinther 15,42–44
Daraus ergeben sich vier Kerneigenschaften:
5.1 Unvergänglich (unverweslich)
"Es wird gesät in Verweslichkeit, es wird auferweckt in Unverweslichkeit."
— 1. Korinther 15,42
Der Auferstehungsleib ist:
- Unfähig zu Verfall, Krankheit oder Alterung.
- Frei von jeder körperlichen Korruption und jedem Zerfall.
- Nicht anfällig für Unfall, Verschleiß oder Tod.
Paulus fasst zusammen:
"Denn dies Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen."
— 1. Korinther 15,53
Der verherrlichte Leib des Gläubigen ist dauerhaft gesund und heil, nie wieder bedroht von Krankheit oder Gebrechlichkeit.
5.2 Herrlich
"Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit."
— 1. Korinther 15,43
Tod und Begräbnis – so ehrfurchtsvoll man sie auch gestaltet – machen die Unehre der gefallenen Sterblichkeit deutlich: Leiber kehren zum Staub zurück (1. Mose 3,19). Im Gegensatz dazu ist der Auferstehungsleib gekennzeichnet durch Herrlichkeit:
- Er spiegelt die Herrlichkeit und Ehre der auferstandenen Menschheit Christi wider (Phil 3,21).
- Er ist frei von der Schande und Befleckung der Sünde.
- Er ist moralisch und ästhetisch angemessen für die Gegenwart Gottes.
Diese Herrlichkeit ist sowohl physisch als auch moralisch: Der Leib ist strahlend, und die Person ist völlig dem heiligen Wesen Christi gleichgestaltet.
5.3 Voll Kraft
"Es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft."
— 1. Korinther 15,43
Unsere gegenwärtigen Leiber sind gekennzeichnet durch:
- Erschöpfung und Müdigkeit.
- Körperliche Begrenzungen, Behinderung und Gebrechlichkeit.
- Verletzbarkeit gegenüber Schmerz, Verletzung und letztlich dem Tod.
Der Auferstehungsleib wird in Kraft auferweckt:
- Keine Müdigkeit oder Erschöpfung mehr.
- Volle, kraftvolle Fähigkeit zu Dienst, Anbetung und Freude.
- Keine Unfähigkeit, kein Nachlassen der Kräfte, kein körperliches Versagen.
Der Gläubige wird ungehindertes, vom Geist belebtes Leib-Sein besitzen – für immer.
5.4 Geistlich (geistgeleitet)
"Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib."
— 1. Korinther 15,44
"Natürlich" (psychikos) bezeichnet unseren gegenwärtigen adamischen, seelisch geprägten Zustand – der Sünde, Schwachheit und den Begrenzungen der gefallenen Menschheit unterworfen. "Geistlich" (pneumatikos) meint einen Leib, der:
- Ganz auf Gott ausgerichtet ist, nicht auf die Sünde.
- Vollständig vom Heiligen Geist beherrscht und befähigt wird (Röm 8,11).
- Vollkommen der Gerechtigkeit entspricht und zu moralischem Versagen unfähig ist.
Dies bedeutet nicht Unstofflichkeit, sondern moralisch und geistlich vollendete Leiblichkeit.
6. Nach dem Vorbild des auferstandenen Christus
6.1 Das Bild des himmlischen Menschen tragen
Paulus verbindet unsere zukünftigen Leiber direkt mit Christus:
"Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen."
— 1. Korinther 15,49
Gläubige tragen jetzt das Bild Adams: schwach, sündig und sterblich. In der Auferstehung werden sie das Bild Christi tragen: gerecht, kraftvoll und unsterblich.
Der Philipperbrief bekräftigt dies:
"…denn unser Bürgerrecht ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit verwandeln wird, dass er gleichgestaltet werde seinem Leib der Herrlichkeit."
— Philipper 3,20–21
Dies schließt ein:
- Reale Kontinuität des Leibes.
- Radikale Verwandlung in der Qualität.
- Angleichung an Christus sowohl leiblich (verherrlichte Menschheit) als auch moralisch (vollkommene Heiligkeit).
6.2 Keine Sünde und kein Tod mehr
Paulus betont, dass der Auferstehungsleib nicht nur unsterblich ist, sondern auch frei von der Verderbnis der Sünde:
"Denn dies Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen, und dies Sterbliche Unsterblichkeit anziehen … ‚Der Tod ist verschlungen in Sieg.‘"
— 1. Korinther 15,53–54
Verderbnis umfasst in der Schrift sowohl:
- Physische Zersetzung (Krankheit, Verfall, Tod).
- Moralische Korruption (sündige Begierden, ungeordnete Neigungen).
Im Auferstehungsleib gilt:
- Kein sündiger Impuls bleibt bestehen.
- Kein innerer Kampf gegen das Fleisch mehr.
- Das ganze Sein des Gläubigen – Geist, Seele und Leib – ist vollkommen und endgültig geheiligt.
Der Auferstehungsleib ist damit vollkommen geeignet für ununterbrochene Gemeinschaft mit Gott.
7. Geeignet für Himmel und neue Erde
Paulus erklärt, warum die Verherrlichung notwendig ist:
"Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben."
— 1. Korinther 15,50
Unsere gegenwärtigen Leiber sind nicht geeignet für die kommende Herrlichkeit des Reiches oder die neuen Himmel und die neue Erde. Deshalb:
"Wir warten auf die Sohnschaft, nämlich die Erlösung unseres Leibes."
— Römer 8,23
Der Auferstehungsleib ist:
- Himmlischen Ursprungs und himmlischer Befähigung (1. Kor 15,47–49).
- Vollkommen angepasst an das ewige Leben auf der erneuerten Erde (Offenbarung 21–22).
- Im Einklang mit einer Schöpfung, in der kein Fluch, kein Schmerz und kein Tod mehr sind.
Gläubige werden verkörpert, aktiv leben – anbeten, dienen, mit Christus herrschen – in Leibern, die diesem ewigen Umfeld vollkommen entsprechen.
8. Schlussfolgerung
Die Bibel stellt den Auferstehungsleib des Gläubigen dar als:
- In Kontinuität mit unserem jetzigen Leib, sodass Identität und Personsein bewahrt bleiben.
- Physisch und greifbar, wie der auferstandene Leib Christi selbst.
- Unvergänglich, herrlich, kraftvoll und geistlich – unverweslich, strahlend, stark und vom Geist regiert.
- Sündlos und unsterblich, nicht länger dem Tod oder moralischem Versagen unterworfen.
- Nach dem Muster des auferstandenen Christus, vollkommen geeignet für das ewige Leben im Reich und auf der neuen Erde.
Diese Lehre ist keine bloße Spekulation, sondern das Zentrum der christlichen Hoffnung, gegründet auf die geschichtliche Auferstehung Jesu. Wie Paulus schließt:
"Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!"
— 1. Korinther 15,57
FAQ
F: Werden unsere Auferstehungsleiber physisch oder nur geistlich sein?
Unsere Auferstehungsleiber werden wirklich physisch sein. Der Auferstehungsleib Jesu hatte Fleisch und Knochen, konnte berührt werden und aß Speise (Lukas 24,39–43; Johannes 21,12–13). Die Schrift verheißt, dass Christus "unseren Leib der Niedrigkeit verwandeln wird, dass er gleichförmig werde seinem Leib der Herrlichkeit" (Phil 3,21), daher werden auch die Auferstehungsleiber der Gläubigen greifbar, körperlich und doch verherrlicht sein.
F: Was bedeutet es, dass der Auferstehungsleib ein „geistlicher Leib“ ist?
In 1. Korinther 15,44 bedeutet "geistlicher Leib" nicht un-materiell. Gemeint ist ein Leib, der völlig vom Heiligen Geist geleitet und ermächtigt wird, anstatt von gefallenen, natürlichen Impulsen. Der Auferstehungsleib ist weiterhin ein wirklicher Leib, aber einer, der vollkommen mit Gottes Willen im Einklang steht und völlig frei von Sünde und Schwachheit ist.
F: Werden wir einander in unseren Auferstehungsleibern wiedererkennen?
Ja. Der auferstandene Christus wurde von seinen Jüngern erkannt, und die Schrift setzt eine Kontinuität der persönlichen Identität und des Gedächtnisses voraus (Johannes 20,16; Lukas 24,30–31). Da unsere Auferstehung nach seinem Vorbild gestaltet ist, dürfen Gläubige erwarten, einander zu erkennen und völlig sie selbst zu bleiben – nun aber vollendet.
F: Wie beschreibt 1. Korinther 15 den Auferstehungsleib?
1. Korinther 15,42–44 beschreibt den Auferstehungsleib des Gläubigen als unvergänglich, herrlich, kraftvoll und geistlich. Vergängliche Leiber werden unvergänglich; Unehre wird durch Herrlichkeit ersetzt; Schwachheit durch Kraft; und der natürliche (adamische) Leib durch einen vom Geist regierten Leib, der völlig für Gottes ewiges Reich geeignet ist.
F: Warum können unsere jetzigen Leiber das Reich Gottes nicht erben?
Paulus sagt: "Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben" (1. Kor 15,50), womit er meint, dass unser gegenwärtiger sterblicher, dem Verfall unterworfener Zustand für das ewige Reich ungeeignet ist. Deshalb "muss dies Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dies Sterbliche Unsterblichkeit anziehen" (1. Kor 15,53). Der Auferstehungsleib ist Gottes Vorsorge, um Gläubige für das ewige Leben in seiner Gegenwart passend zu machen.
Häufig gestellte Fragen
F: Werden unsere Auferstehungsleiber physisch oder nur geistlich sein?
F: Was bedeutet es, dass der Auferstehungsleib ein „geistlicher Leib“ ist?
F: Werden wir einander in unseren Auferstehungsleibern wiedererkennen?
F: Wie beschreibt 1. Korinther 15 den Auferstehungsleib?
F: Warum können unsere jetzigen Leiber das Reich Gottes nicht erben?
L. A. C.
Theologe spezialisiert auf Eschatologie, engagiert darin, Gläubigen zu helfen, Gottes prophetisches Wort zu verstehen.
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